Basta macht blau (2011)

16.09.11 CD Album / EMI
Basta macht blau (2011)
01.
Guten Morgen
Text: William Wahl; Musik: William Wahl/Martin Weiß

Guten Morgen
Wisch dir den Schlaf aus den Augen
Die Sonne scheint
Die Vögel sie können's kaum glauben
Hörst du sie nicht schreien
Sie singen dir ein Aufwachlied

Komm nicht mit Ausreden von gestern abend
Komm nicht mit Ausreden von nicht geschlafen
Bein raus, Arsch hoch, Kopf klar
Und keinen Platz für alte Sorgen

Guten Morgen
Guten Morgen


Guten Morgen
Wisch dir den Schlaf aus den Augen
Die Sonne lacht
Warum nicht allem vertrauen
Was dich glücklich macht
Ich singe dir ein Aufwachlied

Weg mit den Kissen, weg mit all den Decken
Wer will sich schon den ganzen Tag verstecken
Bein raus, Arsch hoch, Kopf klar
Und zur Not die gute Laune borgen

Guten Morgen
Guten Morgen


Mundwinkel nach oben
Und den Tag vorm Abend loben
Lass uns, was nicht passt, für heut entsorgen

Guten Morgen
Guten Morgen
02.
Appdepp
Text & Musik: William Wahl

Du weißt aufs Blatt genau, wie lang dein Klopapier noch hält
Weil du dafür 'ne App hast
Du kennst den Radweg von Phnom Penh nach Bielefeld
Weil du dafür 'ne App hast
Kennst jeden Bäcker in Peru
Weißt, hat er auf oder grad zu
Doch was sich rauskristallisiert
Ist, dass das keinen interessiert

Du bist der Appdepp, du bist der Held in dieser Welt
Du bist der Appdepp, aber ich hab dich nicht bestellt
Denn klebst du mir erstmal am Ohr
Dann hab ich besser noch nichts vor
Das hätt' keinen Zweck
Denn so einen Appdepp
Kriegt man da nie mehr wieder weg


Du weißt noch vor deinem Urlaub, wie dein Urlaub dir gefällt
Weil du dafür 'ne App hast
Du weißt, mit wieviel Dezibel dein Dackel Dezi bellt
Weil du dafür 'ne App hast
Holst jede neue Sensation
Dir sofort auf dein Telefon
Und streikt zwangsläufig dein Gehirn
Lad dir ein neues auf den Schirm

Du bist der Appdepp, du bist der Held in dieser Welt
Du bist der Appdepp, aber ich hab dich nicht bestellt
Denn klebst du mir erstmal am Ohr
Dann hab ich besser noch nichts vor
Das hätt' keinen Zweck
Denn so einen Appdepp
Kriegt man da nie mehr wieder weg

Manchmal wird dir vor Kummer schlecht
Viel zu vieles ist noch echt
Kopf hoch, es dauert nicht mehr lang
Dann gibt es dich auch als Programm

Du bist der Appdepp, du bist der Held in dieser Welt
Du bist der Appdepp, aber ich hab dich nicht bestellt
Denn klebst du mir erstmal am Ohr
Dann hab ich besser noch nichts vor
Das hätt' keinen Zweck
Denn so einen Appdepp
Kriegt man da nie mehr wieder weg
03.
Gegensätze
Text & Musik: William Wahl

Sie mag Nutella mit und ich nur ohne Butter
Sie sagt Mami zu der Frau von ihrem Vater, ich sag Mutter
Schlafen kann ich nur im Dunkeln, sie liest nachts bei Flutlicht
Sie ist Vegetarierin, ich esse Fleisch am liebsten blutig
Das sind alles Dinge, die dir nebensächlich schein'n
Doch wie kann man nur so gegensätzlich sein

Ich liebe Marzipan aber sie mag Nougat
Ich hasse ihren Whirlpool, doch sie liebt es, wenn es gluggert
Ich schaffte knapp die Schule, aber sie geht auf die Uni
Ich steh auf kurz vor Mittag, und sie auf George Clooney
Das sind alles Dinge, die dir nicht so wichtig schein'n
Doch ne Lösung fällt dir auch nicht richtig ein

Was uns zwei verbindet, krieg ich irgendwann noch raus
Und solange gilt noch immer: Gegensätze ziehen sich aus


Sie sagt, es heißt der, ich find, es heißt das Joghurt
Ich schaue gern Sport, obwohl sie über mein Niveau murrt
Sie will ans Mittelmeer und ich will in die Alpen
Ich mag Untertitel sehr, sie stört sich an den Balken
Das sind alles Dinge, die dir nebensächlich schein'n
Doch wie kann man nur so gegensätzlich sein

Was uns zwei verbindet, krieg ich irgendwann noch raus
Und solange gilt noch immer: Gegensätze ziehen sich aus


Eine Sache, geb ich zu, läuft etwas aus dem Ruder
Ich steh auf ihre Schwester - sie auf meinen Bruder

Was uns zwei verbindet, krieg ich irgendwann noch raus
Und solange gilt noch immer: Gegensätze ziehen sich aus
04.
Mach blau
Text: Thomas Aydintan/William Wahl; Musik: William Wahl

Du kennst so viele Straßen
Und stellst dich in den Stau
Du kennst so viele leuchtende Farben
Und malst alles grau
Du wartest viel zu lang
Glaubst du denn irgendwann
Kommt der eine Moment
Der dich in neue Bahnen lenkt

Vergiss, wer dich bezahlt hat
Dich versichert und verplant hat
Lichte deinen Anker, mach blau
Lass alles stehen und liegen
Brich alle deine Regeln
Sichte Land und mach blau


Du kennst so viele Wege
Und läufst doch nur im Kreis
Es gibt bestimmt noch mehr zu sehen
Als das, was du schon weißt
Verschieb die Inventur
Die Zeiger deiner Uhr
Für den einen Moment
Der dich in neue Bahnen lenkt

Vergiss, wer dich bezahlt hat
Dich versichert und verplant hat
Lichte deinen Anker, mach blau
Lass alles stehen und liegen
Brich alle deine Regeln
Sichte Land und mach blau


Verschieb die Inventur
Die Zeiger deiner Uhr
Für den einen Moment
Der dich in neue Bahnen lenkt

Vergiss, wer dich bezahlt hat
Dich versichert und verplant hat
Lichte deinen Anker, mach blau
Lass alles stehen und liegen
Brich alle deine Regeln
Sichte Land und mach blau

Streich die Pflicht aus deiner Kür
Und mach dir Tag der offenen Tür
Lichte deinen Anker, mach blau
Schreib dir 'nen Gutschein
Lass für heute alles gut sein
Sichte Land und mach blau
05.
Sitzen oder stehen
Text & Musik: William Wahl

Nicht sehr lang zusammen, lernte ich bereits
Du schätzt besonders Badezimmersauberkeit
Doch mir passiert es manchmal, dass ich überseh
Wie denn die eine Regel noch geht
Denn ich weiß nicht, was ich tun soll
Ja, ich habe ein Problem

Soll ich sitzen oder stehen, sitzen oder stehen
Soll ich sitzen oder soll ich stehen
Soll ich, soll ich sitzen oder stehen


Prima, heut ist Sonntag, ausschlafen wär schön
Aber du sagst, dass wir beten gehen
Der Pastor spricht vor dem Altar
Alle müssen knien und dann stehen sie wieder
Und ich weiß nicht, was ich tun soll

Soll ich sitzen oder stehen, sitzen oder stehen
Soll ich sitzen oder soll ich stehen
Soll ich, soll ich sitzen oder stehen

Du bist auf mich sauer, weil ich dich blamier
Und sogar kinderleichte Regeln nicht kapier
Doch dann ziehst du mich zu dir, sagst, es ist an der Zeit
Für eheliche Pflichten und verschärfte Zärtlichkeit
Und dann liegst du vor mir
Und ich habe dies Problem

Mmm mmm mmm mmm
Mmm mmm mmm mmm

Sitzen oder stehen, sitzen oder stehen
Soll ich sitzen oder soll ich stehen
Soll ich, soll ich sitzen oder stehen
06.
Optische Enttäuschungen
T&M: William Wahl

Stellen Sie sich drei Bäume vor, genau gesagt drei Birken
Konzentrieren Sie sich, lassen Sie dies Bild gut auf sich wirken
Denken Sie nun an drei Nonnen in der Badewanne
Geben Sie ihnen die Namen Rosalie, Marlen und Anne
Vergleichen Sie die Birken mit den Ordensfrauen im Wasser
Die Nonnen scheinen nasser

Optische Enttäuschungen sind wovon wir singen
Optische Enttäuschungen, die rein gar nichts bringen
Optische Enttäuschungen, die wir präsentieren
Optische Enttäuschungen zum selber ausprobieren


Halten Sie nun Ihre rechte Hand entspannt nach oben
Bilden Sie mit allen Fingern außer Daumen einen Bogen
Nun bewegen Sie den Daumen an den Zeigefinger
Nicht vergessen: konzentrieren Sie sich dabei immer
Führen Sie die Hand zum Auge, ohne dass Sie zucken
Da kann man super gut durch gucken

Optische Enttäuschungen sind wovon wir singen
Optische Enttäuschungen, die rein gar nichts bringen
Optische Enttäuschungen, die wir präsentieren
Optische Enttäuschungen zum selber ausprobieren


Optische Enttäuschungen, die jedermann verwirren
Optische Enttäuschungen, in denen wir uns verirren
Optische Enttäuschungen ohne jede Wende
Optische Enttäuschungen, die haben jetzt ein Ende
07.
BGS-Girl
T&M: William Wahl

Dein Haar fällt seidig glänzend auf dein Uniformrevers
Du kontrollierst die Pässe im Schienengrenzverkehr
Das ist spannender als das Pädagogikstudium
Das du im fünften Fachsemester abgebrochen hast
Du hast jetzt echte Freunde im Zugbegleiterstab
Mit denen trinkst du Kaffee, den du eigentlich nicht magst
Doch das machst du gern
Denn es gibt dir das Gefühl von Abenteuer und von Freiheit

Aber muss das sein, dass du dir dein Glück beweist
Mit diesem Ausdruck von Verbissenheit auf deinem hübschen Gesicht
Wohin gehst du, wenn du müde bist?

BGS-Girl, du schaust so missvergnügt
Was hat man dir denn zugefügt
Dass du solche Angst zu haben scheinst
Dass die Welt dich ohne Uniform nicht hört
My little Bundesgrenzschutzgirl


Im Bistro kaufst du Marmorkuchen und beginnst zu träumen
Von einer Razzia zusammen mit der GSG 9
Und wenn das nichts wird, studierst du Medizin
Und wirst Tierarzt für Delphine oder für Kinder
Und bis dahin machst du weiter und spielst Räuber und Gendarm
Zwischen Zürich und Bad. Basel in der Deutschen Bundesbahn
Die Waffe trägst du stolz
Denn du weißt, du kämpfst auf allen Fahrplanrouten
Bei den Guten

Aber muss das sein, dass du dir dein Glück beweist
Mit diesem Ausdruck von Verbissenheit auf deinem hübschen Gesicht
Wohin gehst du, wenn du müde bist?

BGS-Girl, du schaust so missvergnügt
Was hat man dir denn zugefügt
Dass du solche Angst zu haben scheinst
Dass die Welt dich ohne Uniform nicht hört
My little Bundesgrenzschutzgirl
08.
Liechengrand
T&M: William Wahl

Hauer Blimmel über pünen Grinien
Zillen grirpten über seißem Hand
Als eif aunmal eines Mischerfädchens
Soße Grehnsucht meine Ficke bland

Liechengrand, oh Liechengrand
Hier, wo ich meine Fiebe land
In Liechengrand


Weine Klellen achen sich am Brufer
Stilliarden Merne leuchteten klo sar
Das Mischerfädchen sang so löne Schieder
Dass hein Merz sofort verwaubert zar

Liechengrand, oh Liechengrand
Hier, wo ich meine Fiebe land
In Liechengrand


Sie war Ziebsehn und sie mieß Haria
Welch nöner Schame für dies köne Schind
Seider lah ich sie nie wehr mieder
Weil wir uns nie pymsathisch gesorden wind

Liechengrand, oh Liechengrand
Hier, wo ich meine Fiebe land
In Liechengrand
09.
Lass mich bei dir sein
T&M: William Wahl

Ich hab mich seit 'ner Woche nicht mehr rasiert
Und niemand hat mich deshalb drangsaliert
Ich kann wieder in allein in Kneipen sein
Und keiner redet mir dabei noch rein

Lass mich bei dir sein
Lass mich bei dir sein
Lass mich bei dir sein


Die Spülmaschine spült schon wieder mal nicht richtig ab
Weil ich Depp den Tab vergessen hab
Das Bett ist schon seit Tagen nicht gemacht
Ich hab so furchtbar viel an dich gedacht

Lass mich bei dir sein
Lass mich bei dir sein
Lass mich bei dir sein

Oh, ohne dich ist alles trübe
Jedes dritte Glas und jeder zweite Tag
Oh, wie ich Entschuldigungen übe
Wie doof ich mich benommen hab

Lass mich bei dir sein
Lass mich bei dir sein
Lass mich bei dir sein
10.
Frühstück bei Stefanie
T: Thomas Aydintan
M: William Wahl


Im Morgenlicht der Sonne ein reich gedeckter Tisch
Fruchtige Orangen, ausgepresst und frisch
Verschiedene Karaffen mit exotischen Getränken
Palmenblätter, die der Butter kühlen Schatten spenden
Guavenkonfitüre und Waldhonigsorbet
Und tausend andere Dinge, die ich nicht kenne und versteh

Jetzt fragt ihr mich, wo gibt es denn nur sowas auf der Welt
Und wer hat all die Gaben hier so schön bereit gestellt?

Frühstück, Frühstück bei Stefanie
Keine macht's so gut wie sie
So gut ging es mir noch nie
Wie bei Stefanie

Jetzt könnte jeder denken, ich wär auf Wolke sieben
Und ich müsste mich direkt in diese Frau verlieben
Doch ich sag: das Gegenteil ist leider hier der Fall
Mir geht es um das Frühstück, alles andere ist egal
Was sie mir so erzählte, ist vergessen und vorbei
Ich dachte permanent nur an ihr perfektes Frühstücksei

Und einzig und allein nur wegen all der schönen Gaben
Hab ich die ganze lange Nacht vorher mit ihr ertragen

Frühstück, Frühstück bei Stefanie
Keine macht's so gut wie sie
So gut ging es mir noch nie
Wie bei Stefanie

Und auch wenn das jetzt hart klingt, so ist es dennoch wahr
Das Frühstück war perfekt, doch die Frau ist austauschbar
Sie ist nicht die erste, die meinem Charme erlag
Ich werde dann mal gehen, es ist schon spät am Tag

Nachher geht's zu Susi, morgen dann zu Tina
Am Wochenende treffe ich Natascha und Carina
Ich bleibe nachts bei Ihnen, um sie zu überlisten
Das ist das harte Leben eines Frühstücksfetischisten

Frühstück, Frühstück bei Stefanie
Keine macht's so gut wie sie
So gut ging es mir noch nie
Wie bei Stefanie
11.
Sei mein Feind
Text: William Wahl/Thomas Aydintan
Musik: William Wahl/Oliver Gies


Rush Hour in der Stadt, ich sterbe tausend Tode
Du lenkst den Wagen vor mir und du fährst wie auf Probe
Die Ampel grün, du fährst bei gelb, und ich seh natürlich Rot
(ich steh auf Rot, für dich tut Not ein Fahrverbot)

Als ich dir fünf Minuten später verziehen habe
Treff ich dich wieder in der überfüllten Tiefgarage
Du nimmst den letzten freien Platz und ich schau zu wie ein Idiot
Und damit hast du es versaut
Und es dir mit mir für alle Zeit verbaut

Du wolltest kein Freund und kein Mitmensch
Kein Kumpel und auch kein Bekannter sein
Dafür warst du dir zu fein
Ich lad dich ein: sei mein Feind!


Am selben Tag, halb acht abends an der Kinokasse
Du stehst vor mir, ich ahne, dass ich dich gleich noch mehr hasse
Ja, ich bin wie von Sinnen, denn wie vorhin kriegst du den letzten Platz
(ich mache Rabatz, ich schneide 'ne Fratz, es ist für die Katz)
Ich plane um und kauf mir Karten für 'nen anderen Thriller
Du sagst "wie geil der Film, weil ganz am Schluss gewinnt der Killer"

Du wolltest kein Freund und kein Mitmensch
Kein Kumpel und auch kein Bekannter sein
Dafür warst du dir zu fein
Ich lad dich ein: sei mein Feind!

Ich suche nur noch deine Spur, verfolg dich bis zum jüngsten Tag
Werd alle Plagen auf dich jagen und dann
Schau ich voll Freud' zu, wenn du heut oder auch morgen bereust
Aber zu spät, Hass ist gesät, und dann bin ich taub, wenn du flehst
Und untergehst

Du wolltest kein Freund und kein Mitmensch
Kein Kumpel und auch kein Bekannter sein
Dafür warst du dir zu fein
Ich lad dich ein: sei mein Feind!
12.
Wenn der Duschvorhang der Einzige ist der an dir hängt
Text & Musik: William Wahl

Deine Wohnung ist leer bis auf den Sessel
Aus dem du's nicht schaffst, aufzustehen
Der letzte Anruf ist von Montag
Sie will dich noch immer nicht sehen

Deine Freunde sind alle verschwunden
Und überall ist es besser als hier
Deine Ex steht jetzt auf 'nen Neuen
Im Kühlschrank steht noch ein Bier

Du schlurfst langsam unter die Dusche
Damit das Wasser dich wiederbelebt
Als durch ein beschissenes Naturgesetz
Der Plastikvorhang sich an dir festklebt

Da wird dir klar, du hast das Schiff deines Lebens versenkt
Wenn der Duschvorhang der Einzige ist, der an dir hängt

Den Pulli trägst du schon fünf Tage
Warum nicht? Es ist dein Lieblingsstück
Sie hat dir letztens geschrieben
Sie will ihn jetzt endlich zurück

Im Fernsehen läuft Armageddon
Als du etwas ins Auge bekommst
Du sammelst die Stempel vom Pizzadienst
Die nächste kriegst du schon umsonst

Keine Mail außer der von Viagra
Keine Post außer dem Gebührenbescheid
Hundert Flaschen vor deiner Wohnungstür
Plus eine, die langsam begreift

Es ist klar, du hast das Schiff deines Lebens versenkt
Wenn der Duschvorhang der Einzige ist, der an dir hängt


Jetzt würden wir nicht von dir singen
Wenn wir dächten, es lohnte sich nicht
So, hier kommt unser Rat: Junge, komm aus dem Quark
Denn dieses Lied hier, das ist doch für dich

Ganz egal, wie es ist, hier ist jemand, der an dich denkt
Wenn der Duschvorhang der Einzige ist, der an dir hängt
Und sieht es auch nicht danach aus, hier ist jemand, der an dich denkt
Wenn der Duschvorhang der Einzige ist, der an dir hängt
Wenn der Duschvorhang der Einzige ist, der an dir hängt
13.
Es bringt nichts auf der Waage den Bauch einzuziehen
Text & Musik: William Wahl

Halt ich die Augen zu, dann weiß ich doch, dass man mich noch sieht
Nur weil ich was nicht will, heißt das nicht, dass es nicht geschieht
Egal wie schnell ich laufe, kann ich nicht vor mir selber fliehen
Es bringt nichts, auf der Waage den Bauch einzuziehen

Du machst noch keinen Jazz, nur weil du dich verspielst
Du hast auch keinen Schlafzimmerblick, nur weil du schielst
Und dreht sich die Frau weg, der du auf den Fersen bist
Dann heißt das leider nicht, dass sie nur schüchtern ist

Du siehst nicht aus wie Bruce Willis, weil du 'ne Glatze hast
Nur weil du bei 'ner Schule wohnst, bist du kein Gymnasiast
Knüpfst du dir 'ne Schlinge, dann hast du noch kein Lasso
Und deine blaue Phase macht dich noch nicht zum Picasso

Sieh abwechslungsweise mal der Wahrheit ins Gesicht
So schlimm ist es nicht

Denk nicht, dass du bist, was du denkst, das du bist
Es wär gut, wenn du, was du denkst, das du bist, vergisst
Hör auf dich zu belügen, vor dir selber zu fliehen
Es bringt nichts, auf der Waage den Bauch einzuziehen


Du siehst nicht aus wie ein Pilot, nur weil du graue Schläfen hast
Dass du Bud-Spencer-Filme guckst , macht dich noch nicht zum Cineast
Dass du Für Elise kennst, macht dich nicht musikalisch
Und deine Rückenvollbehaarung deinen Charme nicht animalisch

Sieh abwechslungsweise mal der Wahrheit ins Gesicht
So schlimm ist es nicht!

Denk nicht, dass du bist, was du denkst, das du bist
Es wär gut, wenn du, was du denkst, das du bist, vergisst
Hör auf dich zu belügen, vor dir selber zu fliehen
Es bringt nichts, auf der Waage den Bauch einzuziehen


Da kannst du noch so quengeln, da kannst du gern auch flennen
Deine Nickelbrille macht dich noch nicht zu John Lennon
Das Brigitte-Kreuzworträtsel ist noch kein IQ-Test
Du bist nicht Jesus, nur weil du an den Händen blutest

Denk nicht, dass du bist, was du denkst, das du bist
Es wär gut, wenn du, was du denkst, das du bist, vergisst
Hör auf dich zu belügen, vor dir selber zu fliehen
Es bringt nichts, auf der Waage den Bauch einzuziehen
14.
Abschalten
Text & Musik: William Wahl

Der Strom aus Atom
Abschalten, abschalten
Im TV die Tagesschau
Abschalten, abschalten
Die Oma im Koma
Abschalten, abschalten
Das Lied, in dem nichts geschieht
Abschalten, abschalten, abschalten, abschalten

Aus Klötzchen bauen wir Türme und dann schmeißen wir sie um
Wir finden es etwas gut, doch wir sind so furchtbar dumm
Wir wischen etwas trocken und dann machen wir es nass
Wir wollen etwas haben und dann fragen wir uns was
Wir wollen abschalten, abschalten


Das Kleid, ich bin es leid
Wegpacken, wegpacken
Das Heim ist zu klein
Abfackeln, abfackeln
Die Haut, die man nicht braucht
Abzwacken, abzwacken
Die Finger stören schon immer
Abhacken, abhacken, abhacken, abhacken

Aus Klötzchen bauen wir Türme und dann schmeißen wir sie um
Wir fanden etwas toll, doch wir waren so furchtbar dumm
Wir wischen etwas trocken und dann machen wir es nass
Wir wollen etwas haben und dann fragen wir uns was
Wir wollen abschalten, abschalten


Wenn dich das Licht stört, dann mach es aus
Wenn dich dein Auge stört, dann reiß es raus
Wenn etwas gut ist, dann wird es schlecht
Wenn etwas schön ist, ist es nicht echt
Wenn du allein bist, hast du Recht

Wir wollen abschalten, abschalten, abschalten, abschalten
15.
Meine liebsten Lieder
Text & Musik: William Wahl

In meinen liebsten Liedern segelten Galeeren
Und Jungfrauen wären gefangen, bewacht von goldenen Speeren
Entführt von hundert allergreulichsten Piraten
Und diese segelten in fernste Länder
Und die Jungfrauen trügen bunte Seidenbänder
Und durch Tränen sähen sie aufs Meer
Und dufteten nach Flieder
Das wären meine liebsten Lieder

In meinen liebsten Liedern reisten Astronauten
Zu Eisplaneten, wo sehr wilde Wesen hausten
Die ihre Beute in verschneite Höhlen zögen
Und manchmal säh man in der Eiseswüste Schemen
Unheilvoll durch Todesstürme schweben
Und an den Männern trieben sie vorbei
Wie in weißem, kaltem Fieber
Das wären meine liebsten Lieder

In meinen liebsten Liedern lief ein Junge über Felder
Querte kühle Bäche, streifte durch die lichten Wälder
Das Korn stünd hoch, darüber weitgespannt der Himmel
Und aus den Feldern stiegen Lerchen in die Lüfte
Wenn sie sich vor dem alten Schuppen heimlich küssten
Und das warme Holz wie nur für sie
Wenn er sagte: ich komm wieder
Das wären meine liebsten Lieder
,,Basta macht blau". Von wegen! Haben die fünf a cappella-Weisen der Kölner Band Basta jemals einen Auftritt, eine Herausforderung geschwänzt? Können die vier Tenöre, Werner Adelmann, Thomas Aydintan, René Overmann, William Wahl und der Bass, Andreas Hardegen überhaupt das Nichtstun genießen? Titel und Cover ihres neuen Albums wollen den Glauben daran nähren. Schön, wie sie sich, ihre fünf Paar Beine locker gemacht in einem Boot, den Müßiggang genießend auf offener See treiben lassen. Ein Wunschgedanke, sicher, denn die Blauäugigkeit, die sie für den Glauben an den Namen ihres sechsten Albums voraussetzen, wird vom nüchternen Blick auf ihre bisherige Karriere gefressen. Erst im letzten Frühjahr haben Basta mit ,,Fünf", dem Album zum 10-Jährigen, ihre bis dato beste Platzierung in den Albumcharts kundtun dürfen. Ihre Single zur Fußballweltmeisterschaft 2010, ,,Gimme Hope Joachim" wurde zum größten Hiterfolg der Band bis hierhin. Viele dutzend Mal zündete der flotte Fünfer sein Vokalspektakel seither auf Bühnen vor weiterhin steigenden Konzertbesucherzahlen quer durchs Land. Und jetzt erntet die Gesangskapelle die süßen Früchte ihres Trotzens von Kreativpausen, präsentieren die Fünf nach ,,Fünf" die Kür ihrer vereinten Künste, stellen die Bastaianer neue Songs vor, die sich an nicht weniger als drei Händen ablesen lassen. Von einigen glaubt William Wahl, der kreative Kopf der Truppe sogar augenzwinkernd, dass es sich um ,,forthcoming Smash-Hits" handelt. Was soll also bitteschön das Gerede vom Blaumachen einer Band, die sich vor lauter Freude am eigenen Klangkörper gar keine Pause von Selbiger gönnen will?

,,Basta macht blau", der Titel, ist vielleicht ein Paradoxon. Die Hingabe zur Musik lässt die Kölner a cappella-Protagonisten einerseits kontinuierlich höchst umtriebig kreativ sein. Andererseits erfordert auch das Erschaffen einer Platte, wie alles was wirkliche Hingabe und Liebe voraussetzt, einen gelösten, keinesfalls jähzornig-zielorientierten Blick auf Nuancen und Details. Auf Plätze zum Durchatmen und kurzen Innehalten, auf Momente zur Wahrung der Obacht für Zwischentöne, die in ihrer Summe etwas Großes ergeben. Etwas wie ,,Basta macht blau", das zum entspannt-lockeren, bisweilen humorigen, manchmal auch fies-ironischen Umgang mit den alltäglichen Pflichten, Irrungen und Wirrungen auffordert.

Ekki Maas, musikalischer Kopf der Kölner Band Erdmöbel und findungsreicher Tonmeister- und Produzentenquergeist vom ,,Musikkollektiv Eigelstein" trug zum zweiten Mal die Produzentenmütze für Basta. ,,Fernab jeglicher technischer Spielereien und a-cappella-Mätzchen", wie William Wahl anmerkt. Die erstaunliche Homogenität des Gruppenklangs von Basta machte schon die letzte CD zum Manifest des gefundenen Band-Sounds. Für ,,Basta macht blau" wurde der eigene, gute Ton nochmal deutlich formvollendet. Zu diesem zählt neben stimmlicher Klarheit und sauberer Intonation der charakteristisch-spielerische Umgang mit den vielen Freiheiten, derer sich die fünf Vokal-Artisten lustbetont bedienen.

In ,,Basta macht blau" steckt mehr Basta als je zuvor. Zum ersten Mal veröffentlicht die Vokal-Bande ein Album das ausschließlich eigene Kompositionen enthält. Elf der fünfzehn neuen Songs tragen die solitäre Texter- und Komponisten-DNA des Jüngsten und kreativ Vorlautesten der Band, William Wahl. Wie schon auf ,,Fünf" gönnte Basta sich für eine handvoll Songs den Luxus der Arrangeur-Kunst des befreundeten Maybebop-Sängers, Oliver Gies, der zusammen mit Wahl die Musik zur gemeinen Musicalnummer ,,Sei mein Feind" ausheckte. Bastas liedschreibender Tonmeister Martin Weiß steuerte Musik zur ungestüm zuckenden Ja-zum-Tag-Eröffnungsnummer ,,Guten Morgen" bei. Thomas Aydintan mischte den ironischen Verführer-Reggae ,,Frühstück bei Stefanie" und das albumtitelgebende ,,Mach blau" mit zusätzlichen Textideen auf. Die nicht bestellten Helden der modernen, digitalen Telefonwelt werden mit dem lakonisch-sarkastischen ,,App Depp" beleuchtet. Pop-Gimmicks greifen in ,,Gegensätze" ineinander und steigern augenblicklich den Unterhaltungswert des skizzierten Song-Helden, der verzweifelt auf der Suche nach Gemeinsamkeiten mit seiner Liebsten ist. Hohe Sangeskunst ist das Vehikel, das ,,Sitzen oder Stehen" zum urkomischen Ausflug ins Kabarettistische macht. Irrsinnige Vokal-Artistik, mitsamt simuliertem Weltmusik-Intro, führt ,,Optische Enttäuschungen" vor, ,,die rein gar nichts bringen", außer vielleicht, dass sie das alle Zutaten dafür besitzen, Publikumsfavoriten zu werden. Gehobenen Blödsinn im Bossa-Nova-Rhythmus muss das verbissen dreinschauende ,,BGS-Girl" über sich ergehen lassen. Wie hundsgemein melodische Reminiszenzen sein können, unterstreicht das ,,Wenn ich einmal reich wär"-Zitat aus dem Musical ,,Anatevka" als Intro zur verdrehten Folklorenummer ,,Liechengrand". ,,Lass mich bei dir sein" ist einer der mächtigsten, kraftvollsten Popsongs aus der Feder von William Wahl. Ein paar feinsinnige Stolpersteine enthält das eigentlich flehende ,,Wenn der Duschvorhang der Einzige ist der an dir hängt". Ein Lied, in dem nichts geschieht ist ,,Abschalten" nicht, aber ein hervorragend gesetzter Kontrapunkt zum wunderbaren Schlusslied ,,Meine liebsten Lieder". Davon gibt's für Fans der Band auf ,,Basta macht blau" so viele, dass das Album das Zeug zum Klassiker hat. Weil es bestens unterhält, weil es großartige Musikalität besitzt, weil es 100% Basta ist.

Der Tipp zum Schluss kann also nur lauten: Sich selbst einen Gutschein schreiben, für heute alles gut sein lassen, das neue Basta-Album besorgen, blaumachen und genießen!
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