Anna lässt sich scheiden

Text & Musik: William Wahl

So schön hast du die Welt noch nie gesehen
Nichts strahlte je wie dieser Tag
Es ist, als würdest du auf Wolken gehen
Mehr als zu fassen du vermagst
Füllt es dich aus, dieses unverhoffte Glück
Du kannst es kaum beschreiben
Jetzt ist es passiert, die Welt jubiliert
Anna lässt sich scheiden

Nichts, was die Harmonie der Welt noch stört
Die Vögel stimmen ein Loblied an
Vor allen Dingen hat Anna, wie man hört
Alle Papiere schon zusammen
Der Himmel strahlt in dem allerblausten Blau
Und er muss unterschreiben
Du freust dich halb tot, sie schasst den Idiot
Anna lässt sich scheiden

Ganz egal, wie er auch jammert oder fleht
Er wird furchtbar leiden
Der ganze Erdenkreis preist Gott im Dankgebet
Du weißt, jetzt wird's was werden mit euch beiden
Anna lässt sich scheiden

Nun ist der Anlass für dies Freudenfest
Speziell für dich nicht optimal
Denn der Grund, aus dem sie sich jetzt scheiden lässt
Ist der: sie heiratet nochmal
Tja, wie du weißt, hab ich Anna auch sehr gern
Wie soll ich es umschreiben?
Sie mag zwar auch dich, aber heiratet mich
Anna lässt sich scheiden
Zur Feier darfst du bleiben
Anna lässt sich scheiden

Laktosetolerant

Text & Musik: William Wahl

Körperlich bin ich mit mir zufrieden
Von der Figur her lieg ich in der Norm
Mein Gesicht hat 'ne gesunde Farbe
Und meine Nase eine schöne Form
Meine eine Unzulänglichkeit wurd' lange nicht erkannt
Sie ist mir auch sehr peinlich
Ich bin laktosetolerant

Neulich ging ich ins Café und ahnte
Was mir dort mit meiner Schwäche schwante
Denn dort gab es so manches, was ich mag
Aber leider nicht vertrag

Da gab es Dinkeldrinks und Hafermilch aus Soja
Tolle Sachen, über die ich nur nicht froh war
Denn mein Körper baut die alle nur sehr knapp
Oder überhaupt nicht ab

Darum bestellte ich 'nen Milchkaffee mit Kuhmilch
Der Barmann sah so angewidert aus
Er sagte: Mann, du bist so ekelhaft
Nimm den Kaffee und dann hier raus

Ich bin 'ne Schande für dieses schöne Land
Denn ich bin laktosetolerant
Es ist 'ne Behinderung, von keinem anerkannt
Ich bin laktosetolerant


Beschämt durch diesen Vorfall und verdrießlich
Lief ich durch die Straßen, bis ich schließlich
Inmitten lauter junger Leute stand
Und in 'ner Demo mich befand

Die Menschen sahen mich an wie 'nen Verbrecher
Sie starrten auf die Kuh auf meinem Becher
Man demonstrierte hier, das sah ich nun
Für Tierwohl und Veganertum

Ich schwörte, ich sei Vegetarier
Und dass es ohne Milch für mich halt nicht gut geht
Doch der Mob schrie schon: Du nennst es Milch
Doch es ist Brustdrüsensekret

Ich bin 'ne Schande für dieses schöne Land
Denn ich bin laktosetolerant
Es ist 'ne Behinderung, von keinem anerkannt
Ich bin laktosetolerant


Ich werde nicht nur in Cafés
Energisch rausgebeten
Nein, inzwischen darf ich in Berlin
Manche Viertel gar nicht mehr betreten
Und ganz Mitte ist für mich tabu
Weil ich nicht Soja trinke, sondern nur Kuh

Ich bin 'ne Schande für dieses schöne Land
Denn ich bin laktosetolerant
Und damit nicht genug, denn ich muss hier gestehen
Ich vertrag nicht nur Laktose, sondern auch Gluten

Älter

Text & Musik: William Wahl

Morgens um sechs Uhr stehst du auf
Früher hast du da noch einen draufgemacht
Du warst wach die ganze Nacht
Beim Zähneputzen fragst du dich: wer ist der Typ vor dir?
Das bist doch du im Badezimmerspiegel
Und du greifst zur Creme im blauen Tiegel
Es ist nicht alles schlecht, also jetzt mal echt
Schließlich hast du 'nen Rasierpinsel und einen Rasierpinselbehälter
Du wirst älter

Du träumst von 'nem Porsche wie ein Mädchen von 'nem Pferd
Aber du kommst kaum mehr aus dem Sitz von deinem Seat
Immer noch denkst du: Alt sind die andern
Auf deinem Couchtisch Bücher übers Wandern

Abends kommen Freunde, so früh waren sie noch nie da
Damals habt ihr rumgemacht, heute spielt ihr Siedler
Wenn du mal ausgehst, ist schnell der Schwung raus
Du denkst dir: Meine Güte, sehen die Polizisten jung aus

Du fährst nach Holland, um das Meer wieder zu sehen
Im Hotel störst du dich dann an dem Sand zwischen deinen Zehen
Und du denkst dir: früher warst du mit dem Zelt da
Du wirst älter


Du demonstrierst nicht mehr gegen Bomben und Raketen
Du fragst dich: was macht der Krieg mit deinen Aktienpaketen
Unterhältst dich viel zu oft über Zinsen und Policen
Freust dich, wenn du heimfährst, auf das Blumengießen

Du hörst die selben Lieder jetzt seit 30 Jahren
Schade nur, dass dir auch die neuen nichts mehr sagen
Was man dir erzählt, ist so durchschaubar
Die Putzfrau ist teuer, aber sie hält alles sauber

Du fährst nach Holland, um das Meer wieder zu sehen
Im Hotel störst du dich dann an dem Sand zwischen deinen Zehen
Und du denkst dir: früher warst du mit dem Zelt da
Du wirst älter


Und deine Lebensuhr macht tick tack, tick tack
In ein paar Jahren macht sie ticke tacke, ticke tacke
Und dann ganz bald schon macht sie ticketacketicketacke

Magst all die Albernheiten lang schon nicht mehr sehen
Und kannst all das, was sie wollen, schon so lang nicht mehr verstehen
Und du fragst dich: sind die alle so viel dümmer?
Sie sind jünger

Ich Bass

Text & Musik: William Wahl

Du aus, ich an
Du Frau, ich Mann
Du heiß, ich hot
Du Girl, ich Gott
Ich: budugn gudu dadubau
Du: was?
Ich Bass

Ich Mund, die Ohr
Ich ich, die Chor
Die: mimimi mimimi
Ihr: was?
Ich Bass

Ich: bau, ihr: hui!
Die: öh, ihr: pfui!
Ich: hm, ihr: uh!
Die: äh, ihr: buh!
Ich: gägäng gägäng dägägäng
Ihr: krass!
Ich Bass

Buhne Vier

Text & Musik: William Wahl

Sie schimmert immer noch wie Silber
Die laute, große, weite See
Und so wie damals singen die Wellen
Ihre Sehnsuchtssinfonie

Wollt' nie hierher zurück
Trotzdem spür ich dies Glück, genau hier
Wo du mit mir saßt im Sand vor Buhne Vier


Die Möwen, denen du deine Waffel
Und dazu meine letzte gabst
Kreischen ihre ewig gleichen Lieder
In den unendlich blauen Tag

Wollt' hier nie wieder sein
Und doch sitz ich allein genau hier
Wo du mit mir saßt im Sand vor Buhne Vier


Ich weiß nicht, wann es besser wurde
Doch dass es gut ist, sagt die See
Und auch die Narben, die wir tragen
Tun nur noch selten weh

Ein Paar sitzt da und schaut aufs Wasser
Den immerwährenden Wellengang
Und für jede Welle, die verschwindet
Hebt eine neue an

Alles hat seine Zeit
Und jetzt bin ich bereit, wir waren wir
Und nun bin es ich im Sand vor Buhne vier

Frau Marstetter

Text & Musik: Julian Schramm/William Wahl

Lernst zu sehen, lernst zu kriechen, krabbeln, laufen
Das Schlafengehen, das an Muttermilch besaufen
Lernst zu nehmen und du lernst zu geben
Lernst nicht aus, denn du lernst fürs Leben

Lernst zu bitten und dich zu bedanken
Lernst Gleichungen mit zwei Unbekannten
Lernst zu teilen, auszuteilen, einzustecken
Und dann lernst du irgendwann auch wie Küsse schmecken
Und du lernst und lernst und lernst, und streckst dich nach den Sternen

Wir sind alle schon so weit gekommen
Mal ein Herz verloren, mal eins gewonnen
Wir haben ausgeteilt und kassiert
Haben so oft den Mund zu voll genommen
Sind gescheitert, haben von vorn begonnen
Und es irgendwann kapiert


Lernst Gesetze, Gebote, Normen, Regeln
Sie zu brechen oder zu umgehen
Lernst für Teste, Klausuren und für Scheine
Lernst Mädels kennen, aber erst mit der einen
Wie soll man sagen? Tja, ich glaube was du lernst, ist
Dass das Leben manchmal wirklich ernst ist

Und du lernst es heulend auf dem Zimmer
Liebe ist ein Arschloch, nichts ist für immer
Du lernst, wie es ist, etwas zu versieben
Und dann lernst du, ohne es zu wollen, dich zu entlieben
Und du lernst und lernst und lernst, und streckst dich nach den Sternen

Wir sind alle schon so weit gekommen
Mal ein Herz verloren, mal eins gewonnen
Wir haben ausgeteilt und kassiert
Haben so oft den Mund zu voll genommen
Sind gescheitert, haben von vorn begonnen
Und es irgendwann kapiert


Ja, du lernst und lernst und lernst, und du wirst du selbst
Denn du lernst zu stehen, nur indem du fällst

Wir sind alle schon so weit gekommen
Mal ein Herz verloren, mal eins gewonnen
Wir haben ausgeteilt und kassiert
Haben so oft den Mund zu voll genommen
Sind gescheitert, haben von vorn begonnen
Und es irgendwann kapiert
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